Überprüfung der eigenen Stimmabgabe bei elektronischen Wahlen
Die einzige Möglichkeit, die Stimme sicher zu zählen, bedeutet, die Stimme von Beginn an kryptographisch eindeutig zu markieren, um sie damit später wieder sichtbar und für alle verifizierbar zu machen. Aber dann ist die Stimme zwangsläufig nicht mehr anonym, da mir ein Zugang eingeräumt werden muss, um den Inhalt meiner Stimme zu überprüfen.
(Tim Pritlove in The Lunatic Fringe » Blog Archive » Das Dilemma der elektronischen Wahl)
Bei einer Papierwahl kann ich nicht nachprüfen, ob meine Stimme korrekt gezählt wurde oder nicht. Sobald der Wahlzettel in der Urne ist hat er meinen Einflußbereich verlassen.
Das feature der kryptographischen Markierung ist allerdings eine nette Idee. Würde es doch zum ersten Mal eine Überprüfung der Stimme durch den Wählenden ermöglichen. Wenn Nachrichten über falsch gewählte Stimmen nach einer Wahl auftauchen, könnte man so sicherstellen, daß zumindest die eigene Stimme richtig zugeordnet wurde. Wenn das Hunderttausende tun, wäre eine weitere Kontrollinstanz da. Das ist doch eigentlich eine wünschenswerte Sache.
Wenn ich die Stimme überprüfen kann, können andere mich zwingen, ihnen diesen Weg ebenfalls zu öffnen, womit ich erpressbar werde. Wenn Druck auf mich ausgeübt werden kann, ist die Wahl nicht mehr frei. Die Anonymität oder die Freiheit bei der Stimmabgabe aufzugeben ist nicht akzeptabel.
Man könnte die Möglichkeit des Zugangs und die Gültigkeit des Zugangsschlüssels zeitlich beschränken und die Schlüssel anonym aushändigen. Im Wahllokal wird überprüft, ob ich im Wählerverzeichnis stehe. Dort bekomme ich meinen Kryptoschlüssel und kann mit dem z.B. bis zu 36 Stunden nach der Wahl meine Stimme überprüfen. Niemand kann wissen wer welchen Schlüssel erhalten hat.
Mit welchem Zweck würde mich jemand erpressen wollen? Mir fällt da nur ein, daß ich meine Stimme ändern soll. Bloß sollte diese Möglichkeit natürlich nicht gegeben sein, weil es ja dem Konzept der Wahl an sich widersprechen würde. Wenn die Stimme in der Urne ist, habe ich gewählt und kann mich nicht mehr anders entscheiden.
Ein anderes Problem könnte sein, daß jemand von mir eine bestimmte Stimmabgabe erwartet und so überprüfen könnte, ob ich mich wunsch-/auftragsgemäß verhalten habe. Hier in Lateinamerika ist es recht üblich, daß Politiker in Armenvierteln Stimmen kaufen. Meistens sind die Leute aber clever, nehmen das Geld, gehen zur Wahl und füllen einen ungültigen Stimmzettel aus.
Wenn ich aber meine Stimme nicht bequem via Internet überprüfen kann, sondern dazu dieselbe Prozedur wie bei der Wahl selbst notwendig ist, wird es unmöglich für einen Dritten Druck auf mich auszuüben. Die Wahl bleibt geheim, weil der Dritte nicht bei der Überprüfung anwesend sein kann.
Die Möglichkeit für einen kurzen Zeitraum zu sehen wie ich gewählt habe und notfalls Einspruch einlegen zu können halte ich generell für attraktiv.